Leserbrief - BZ 02.10.25 – „ Betreiber Helios will das Breisacher Krankenhaus 2026 schließen “
Die angekündigte Schließung der Helios Rosmann Klinik in Breisach ist ein tiefer Einschnitt für die Region – und ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Gesundheitsversorgung inzwischen marktwirtschaftlichen Zwängen unterliegt.
Schon 2017 war die Rede von „dunklen Wolken“ über der Klinik, 2018 wurde die Bauchchirurgie geschlossen.
Doch damals hat der Kreistag ausdrücklich beschlossen, die stationäre Notfallversorgung in Breisach dauerhaft zu stärken. Dieses Ziel gilt bis heute – es ist ein ureigenes Anliegen des Landkreises, unabhängig davon, ob Helios Gesellschafter ist oder nicht. Dass jetzt ein privater Betreiber über die Köpfe der Menschen hinweg Fakten schafft, steht im Widerspruch zu diesem Beschluss.
Man darf nicht vergessen: Das Krankenhaus wurde 1998 privatisiert, zunächst von Lutz Helmig übernommen und später an die börsennotierte Fresenius SE verkauft. Seither gelten dort die Gesetze des Aktienmarktes: Rendite und Effizienzsteigerung statt öffentlicher Daseinsvorsorge. Aussagen aus der Helios- und Fresenius-Chefetage lassen keinen Zweifel daran, dass es um Marktanteile, Verschuldungsgrad und Margen geht – nicht um die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung.
Natürlich ist es richtig, dass kleine Kliniken personell und finanziell unter Druck geraten. Aber es ist zu einfach, den Bürgerinitiativen „Träumerei“ vorzuwerfen. Sie haben immerhin darauf hingewiesen, dass es bei einem Krankenhaus nicht nur um Fallzahlen und Effizienz geht, sondern um Erreichbarkeit, Sicherheit und Versorgung im Notfall. Wer nachts oder am Wochenende in Breisach einen Herzinfarkt erleidet, wird die ca. 30 Kilometer nach Freiburg oder ca. 37 km Müllheim nicht als „optimale Strukturreform“ empfinden.
Der Verweis auf Spezialisierung und Effizienz klingt betriebswirtschaftlich überzeugend, blendet aber die soziale Realität aus: Krankenhäuser sind eben nicht nur Unternehmen, sondern Teil der Daseinsvorsorge. Wenn die öffentliche Hand sich zurückzieht und privaten Konzernen die Verantwortung überlässt, dann passiert genau das, was wir jetzt sehen: Schließungen dort, wo sich Rendite nicht mehr erzielen lässt.
Breisach braucht daher nicht den Rückzug in Nostalgie, sondern ein tragfähiges, realistisches Versorgungskonzept – aber eines, das sich am Bedarf der Bevölkerung orientiert, nicht nur an den Bilanzen einer Aktiengesellschaft.
Iris Stellmacher – Breisach - 03.10.2025
